K5: Begegnungen statt Buzzwords
Der Handel trifft sich: Über 5000 Teilnehmende und rund 200 Aussteller kamen nach Berlin © marketing-BÖRSE
Wer am Morgen des 23. Juni das Estrel-Hotel in Berlin betrat, spürte schnell, dass die K5 nicht einfach eine weitere Fachveranstaltung im Kalender der Handels- und Digitalbranche ist. Natürlich gab es Bühnen, Vorträge, Aussteller und Masterclasses. Natürlich standen aktuelle Entwicklungen des Handels im Mittelpunkt. Doch schon nach wenigen Minuten entstand ein anderer Eindruck: Hier ging es mindestens genauso sehr um Menschen wie um Inhalte.
Bereits in den Eingangsbereichen bildeten sich kleine Gesprächsgruppen. Vor den Bühnen wurden erste Termine abgestimmt, an den Kaffeestationen trafen sich langjährige Wegbegleiter, und zwischen den Ausstellerständen entstanden spontane Diskussionen. Die K5 wirkte dabei weniger wie eine Messe und mehr wie ein Treffpunkt einer Community, die sich über das Jahr hinweg digital austauscht und für zwei Tage in Berlin physisch zusammenfindet.
Viele der Befragten beschrieben genau dieses Gefühl. Manche sprachen von einem Klassentreffen, andere von einem Pflichttermin. Fast alle nannten Begegnungen, Gespräche und persönliche Kontakte als den eigentlichen Grund ihrer Teilnahme. Die Vorträge waren wichtig, die Inhalte relevant – doch das, was viele am Ende mit nach Hause nahmen, entstand häufig zwischen den Programmpunkten.
Von einer Idee zur Institution
Dass die Veranstaltung heute diesen Stellenwert besitzt, ist keineswegs selbstverständlich. Als Jochen Krisch die K5 im Jahr 2011 initiierte, war der Onlinehandel auf vielen Branchenveranstaltungen noch eher Randthema als Hauptattraktion. Die Idee bestand darin, eine Plattform zu schaffen, die den digitalen Handel konsequent in den Mittelpunkt stellt und vor allem Praktikern eine Bühne bietet.
Von Beginn an sollte die Veranstaltung „vom Handel für den Handel“ sein. Händler sollten nicht nur Zuhörer sein, sondern ihre Erfahrungen teilen. Es ging um Einblicke aus erster Hand, um reale Erfahrungen und um den Austausch zwischen Menschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Fünfzehn Jahre später ist aus dieser Idee eine Veranstaltung geworden, die weit über ihre ursprünglichen Dimensionen hinausgewachsen ist. Mehrere Bühnen, internationale Gäste, spezialisierte Formate und eine deutlich größere Reichweite prägen heute das Bild. Gleichzeitig ist die ursprüngliche Idee weiterhin erkennbar. Die K5 hat sich professionalisiert, ohne ihren Charakter als Branchentreffen zu verlieren.
Das Estrel als Teil des Veranstaltungskonzepts
Einen wesentlichen Anteil daran hat die Wahl der Location. Das Estrel ist nicht nur Veranstaltungsort, sondern ein integraler Bestandteil des Gesamterlebnisses. Die Verbindung aus Hotel, Kongresszentrum und Expo-Fläche schafft eine Infrastruktur, die viele Besucher als außergewöhnlich praktisch beschreiben.
Die Wege bleiben kurz, auch wenn die Veranstaltung inzwischen eine beachtliche Größe erreicht hat. Wer morgens aus dem Hotelzimmer kommt, befindet sich wenige Minuten später mitten im Geschehen. Wer zwischen zwei Terminen kurz eine Pause benötigt, muss das Gelände nicht verlassen. Diese räumliche Nähe trägt wesentlich dazu bei, dass die Veranstaltung flüssig wirkt und Begegnungen nicht dem Zufall überlassen werden.
Dorit Schnier, Projektleiterin Events im Estrel Hotel, begleitet die K5 seit vielen Jahren. Aus ihrer Sicht zeichnet sich die Veranstaltung vor allem durch die enge Zusammenarbeit zwischen Veranstalterteam und Location aus. Viele Ideen seien gemeinsam entstanden, weiterentwickelt und über mehrere Jahre hinweg optimiert worden. Die K5 sei eine Veranstaltung, bei der kontinuierlich getestet, angepasst und verbessert werde.
Das passt zum Charakter des Hauses. Mit mehreren Convention-Hallen, einem zusätzlichen Auditorium und insgesamt rund 35.000 bis 38.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche bietet das Estrel die nötige Flexibilität, um unterschiedlichste Formate parallel stattfinden zu lassen. Gleichzeitig bleibt die Veranstaltung überschaubar genug, damit sich Besucher nicht in endlosen Wegen verlieren.
Wenn Catering Teil des Networking wird
Besonders sichtbar wird diese Philosophie beim sogenannten Food-and-Booth-Konzept, das inzwischen zu den charakteristischen Merkmalen der K5 gehört. Statt Catering und Ausstellung räumlich voneinander zu trennen, werden beide Bereiche bewusst miteinander verzahnt.
Das Ergebnis zeigt sich überall auf der Veranstaltungsfläche. Besucher stehen mit Kaffee oder Mittagessen zwischen den Ständen, führen Gespräche während der Pause weiter oder treffen sich spontan zu einem Austausch, der eigentlich nur wenige Minuten dauern sollte. Das Essen wird dadurch nicht zur Unterbrechung des Veranstaltungserlebnisses, sondern zu einem Teil davon.
Die Umsetzung dieses Konzepts war anfangs durchaus anspruchsvoll. Gastronomie, Besucherströme und Ausstellerinteressen mussten miteinander in Einklang gebracht werden. Über mehrere Jahre hinweg wurde das Modell weiterentwickelt und verfeinert. Heute wirkt es selbstverständlich, obwohl genau darin oft die größte Leistung guter Eventorganisation besteht.
Dass die Verpflegung selbst positiv wahrgenommen wird, überrascht kaum. Mehrere Teilnehmer erwähnten das Catering ausdrücklich. Ein langjähriger Speaker bezeichnete die K5 sogar als die Konferenz mit dem besten Essen unter den Veranstaltungen, die er regelmäßig besucht. Solche Aussagen mögen nebensächlich erscheinen, prägen aber das Gesamterlebnis stärker, als viele Veranstalter vermuten.
Fachliche Dichte ohne Hektik
Die K5 lebt von ihrer inhaltlichen Vielfalt. Große Bühnen, Deep-Dive-Sessions, Panels, Masterclasses und Ausstellerbühnen sorgen dafür, dass nahezu jeder Besucher ein individuelles Programm zusammenstellen kann. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Phänomen, das in vielen Gesprächen auftauchte: Niemand schafft alles.
Mehrere Teilnehmer berichteten, dass sie sich für Vorträge angemeldet hatten, diese aber letztlich verpassten. Der Grund war selten mangelndes Interesse. Häufig waren es Gespräche, spontane Begegnungen oder unerwartete Kontakte, die den ursprünglichen Plan durchkreuzten. Die K5 zwingt ihre Besucher gewissermaßen dazu, Prioritäten zu setzen.
Dabei erfüllen die unterschiedlichen Formate unterschiedliche Funktionen. Große Bühnen liefern Orientierung und Überblick. Masterclasses ermöglichen tiefere Einblicke. Panels bieten Diskussionen und Perspektiven. Viele Besucher schätzten gerade diese Mischung. Wer Überblick sucht, findet ihn. Wer tiefer einsteigen möchte, ebenfalls.
Interessant ist, dass einige Teilnehmer ausdrücklich die kleineren Formate bevorzugten. Dort erwarteten sie mehr Praxisnähe, mehr Anwendbarkeit und konkretere Einblicke. Andere wiederum schätzten die großen Bühnen, weil sie zentrale Entwicklungen sichtbar machten. Die Stärke der Veranstaltung liegt offenbar darin, beiden Bedürfnissen gerecht zu werden.

Verena Schlüpmann und Sven Rittau fesseln Teilnehmende mit rundem Event-Konzept
Networking als eigentlicher Programmpunkt
Fragt man Besucher nach dem wertvollsten Bestandteil der K5, landet man erstaunlich selten bei einem konkreten Vortrag. Stattdessen dominieren Gespräche, Begegnungen und persönliche Kontakte.
Für Dienstleister steht dabei häufig die Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen im Vordergrund. Für Händler und Marken sind es eher Inspiration, Erfahrungsaustausch und Marktbeobachtung. Für Speaker wiederum bietet die Veranstaltung die Möglichkeit, bekannte Kontakte wiederzutreffen und neue Perspektiven kennenzulernen. Trotz unterschiedlicher Motive führt vieles zum gleichen Ergebnis: Die K5 wird als Netzwerkveranstaltung verstanden.
Bemerkenswert ist dabei die Qualität der Kontakte. Mehrere Teilnehmer betonten, dass die Veranstaltung nicht überlaufen wirke und genau deshalb funktioniere. Die Wahrscheinlichkeit, relevante Menschen zu treffen, sei hoch. Gleichzeitig sei die Atmosphäre entspannter als auf deutlich größeren Branchenevents.
Wiederholt wurde die überschaubare Größe als Vorteil genannt. Besucher begegnen denselben Personen mehrfach, Gespräche werden fortgesetzt statt abgebrochen, und aus flüchtigen Begegnungen entstehen häufiger intensive Kontakte. Gerade dieser Aspekt wurde von vielen als entscheidender Mehrwert hervorgehoben.
Die Bedeutung der kleinen Formate
Neben den großen Bühnen spielen die kleineren Formate eine bemerkenswert wichtige Rolle. Speaker Dinner, Vorabendveranstaltungen, Roundtables und kleinere Gesprächsformate wurden mehrfach als besonders wertvoll beschrieben.
Gerade das Speaker Dinner erhielt ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Mehrere Teilnehmer bezeichneten es als einen der wichtigsten Bestandteile der Veranstaltung. Der Grund liegt weniger im Rahmenprogramm als in der Möglichkeit, Gespräche ohne Zeitdruck zu führen. Während auf der Messe oft der nächste Termin wartet, entstehen hier längere Diskussionen und tiefere Einblicke.
Auch das Vorabendprogramm wurde positiv bewertet. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, bereits vor dem offiziellen Start Kontakte zu pflegen und erste Gespräche zu führen. Dadurch beginnt die eigentliche Veranstaltung für viele bereits am Abend zuvor.
Diese Formate zeigen, dass Networking auf der K5 nicht als Nebenprodukt verstanden wird. Es ist Teil des Konzepts. Die Veranstaltung schafft bewusst Situationen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen können.
Eine Veranstaltung mit eigener Kultur
Bemerkenswert waren auch die Aussagen der Menschen hinter den Kulissen. Eine Servicekraft beschrieb den Umgang mit den temporären Mitarbeitenden als vertrauensvoll und respektvoll. Eigenverantwortung, Wertschätzung und ein partnerschaftlicher Umgang würden die Zusammenarbeit prägen.
Solche Aussagen sind für die Bewertung einer Veranstaltung nicht unwichtig. Besucher erleben häufig nur die sichtbare Oberfläche. Die Qualität eines Events zeigt sich jedoch oft dort, wo Prozesse funktionieren, ohne aufzufallen. Wenn Service, Orientierung und Betreuung selbstverständlich wirken, steckt meist eine funktionierende Kultur dahinter.
Die K5 vermittelt in vielen Bereichen genau diesen Eindruck. Organisation wird nicht sichtbar inszeniert, sondern zeigt sich durch das Ausbleiben von Reibungsverlusten. Besucher finden ihre Wege, Gespräche entstehen, Programmpunkte laufen, und die Veranstaltung wirkt trotz ihrer Größe bemerkenswert flüssig.
Spiegel einer Branche im Wandel
Neben Networking und Organisation erfüllt die K5 noch eine weitere Funktion. Sie macht Entwicklungen sichtbar. Neue Themen erhalten eigene Bühnen. Neue Unternehmen treten auf den Plan. Andere verschwinden oder treten in den Hintergrund. Die Veranstaltung fungiert dadurch als eine Art Seismograf für die Branche.
Mehrere Teilnehmer berichteten von Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Neue Gesichter, neue Aussteller, neue Formate und eine hohe Zahl von Erstbesuchern wurden wahrgenommen. Andere beobachteten eine stärkere Präsenz bestimmter Themen oder eine veränderte Zusammensetzung des Publikums.
Gerade diese Dynamik macht einen Teil der Attraktivität aus. Viele Besucher kommen nicht nur wegen konkreter Inhalte, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin sich die Branche bewegt. Die K5 bietet dafür eine ungewöhnlich verdichtete Perspektive.
Ein Ort, an dem die Branche physisch wird
Am Ende hinterlässt die K5 vor allem einen Eindruck von Nähe. Nicht Nähe im räumlichen Sinn, sondern Nähe zwischen Menschen, Unternehmen und Ideen. Die Veranstaltung schafft es, Fachkonferenz, Messe und Branchentreffen miteinander zu verbinden, ohne dass eines dieser Elemente das andere verdrängt.
Die Bühnen liefern Impulse. Die Aussteller zeigen Lösungen. Die Masterclasses schaffen Tiefe. Doch der eigentliche Wert entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Zwischen zwei Vorträgen. Beim Mittagessen. Auf dem Weg zur nächsten Session. Oder spät am Abend beim letzten Austausch des Tages.
Die K5 zeigt damit etwas, das in einer zunehmend digitalen Wirtschaft fast paradox wirkt: Gerade weil so viele Kontakte inzwischen virtuell stattfinden, gewinnen physische Begegnungen an Bedeutung. Für zwei Tage wird sichtbar, was sonst in Videokonferenzen, Messenger-Gruppen und Online-Meetings verteilt stattfindet.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum so viele Teilnehmer Jahr für Jahr zurückkehren. Nicht, weil sie jedes Detail des Programms erinnern. Sondern weil sie wissen, dass sie hier Menschen treffen, die ihre Branche prägen, ihre Herausforderungen verstehen und neue Perspektiven eröffnen. Die K5 ist damit weit mehr als eine Konferenz. Sie ist ein Ort, an dem eine Branche sich selbst begegnet.
20 weitere Fotos sind in LinkedIn. Demnächst erscheint ein weiterer Beitrag zu dem aktuellen Fach-Themen der Konferenz.